Ich hab das Bergauflaufen doch noch nicht verlernt. Nach der Enttäuschung bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften fuhr ich gestern nach Freiburg um am Schauinsland-Berglauf (Baden Württembergische Meisterschaften) teilzunehmen. Für mich war es der dritte Wertungslauf für den Schwarzwald-Berglaufpokal. Die lange Fahrt musste ich diesmal aber nicht alleine anstreten. Stefan Schlett, einer der bekanntesten Ultraläufer und Extremsportler war mit dabei. Er hält z.B. die Deutschen Rekorde im 1000km, 1000 Meilen, 2000km oder Weltrekorde im Treppenlauf auf der Rolltreppe, Ultramarathon auf Hoher See und unter Tage, hat diverse Länder und Kontinente durchquert, unzählige Berge bestiegen, einen Decatriathlon gefinisht (38 km Schwimmen, 1800km Rad, 422 km Laufen in 9 Tagen 6Stunden 48 Minuten) usw.
Ich hatte mir vorgenommen, wenn es heute wieder nicht läuft den Berglaufpokal abzuhaken, da ich ja in den letzten Rennen schon recht wenig Punkte sammeln konnte.
Nach vorsichtigem Beginn lag ich auf Platz 10, merkte aber schnell dass die Beine locker sind. Vorne hatte sich Ulrich Benz schon abgesetzt, dahinter eine 2er Gruppe bestehend aus Carsten Brod und einem weiteren Läufer. Nach gut eine Kilometer war ich zu den beiden aufgelaufen und das Tempo stieg noch mal leicht an. Der dritte Läufer konnte nicht lange mitgehen und so bauten wir zu zweit unseren Vorsprung kontinuierlich aus. Die Strecke verlief komplett im Wald auf teilweise festen Waldwegen, aber auch immer wieder schönen Trails. Von der Steigung war das ganze bis Kilometer 9 ungefähr Spessart-Niveau, also nichts Ungewohntes für mich. Sorgen machten mir nur die letzten 3 Kilometer mit ihren 18% Steigung, so was finde ich auf meinen Trainingsstrecken leider nur selten. Um meinen Podestplatz dort nicht zu verlieren machte ich in den flacheren Stücken immer wieder Druck und konnte mich auf einem der kurzen Bergabstücke kurz vor Kilometer 8 leicht absetzten. Ich hoffte meinem Kontrahenten so möglichst viel Kraft zu rauben um am Anstieg dann länger dranbleiben zu können. Und es dauerte wirklich bis Kilometer 9, ehe er wieder aufschließen konnte. Wir liefen wieder ein Stück zusammen. Dann kam ein kurzer Stutz, Brod musste ein paar Schritte gehen und ich war weg. Von da an konnte ich den Abstand stetig ausbauen. Über Stock und Stein gingen die letzten Kilometer, immer schön steil. Voll am Anschlag hatte ich Kilometerzeiten um 7 Minuten. Ein ganz kurzes Flachstück um die Beine auszuschütteln hätte ich mir gewünscht, aber nichts. Nach 1:02:36 Std waren die 13 Kilometer und 957 hm geschafft. Heute ging es wieder sehr gut, das Gefühl immer wieder Druck machen zu können hatte mir in den letzten Wochen gefehlt.
Ich lief mich noch 2 Kilometer aus um dann den Aussichtsturm zu besteigen. Auch dort oben war ich wieder Zweiter. Stefan stand schon oben und meinte das Ziel sollte doch eigentlich hier oben sein. Dann kam noch ein Tscheche nach oben, der zwei Fotos von uns machte. Er ist gerade auf dem Jakobsweg unterwegs nach Spanien.
Nach der Rückfahrt in der Gondel und der Siegerehrung machten wir uns auf den Heimweg.
Fast wäre ich noch ohne Benzin stehen geblieben weil in Kleinostheim um 23 Uhr schon alle Gehsteige hochgeklappt und die Tankstellen geschlossen waren.

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