Man hat wieder einen erwischt, und deshalb bauen ARD und ZDF in Frankreich ihre Zelte ab. Wegen der positiven Dopingprobe des Radprofis Patrik Sinkewitz haben sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender von der Tour de France verabschiedet.
Die Sender drehen den Saft ab, und das, nachdem ihnen in den letzten Tagen wegen der auf Doping fixierten Berichterstattung das Publikum davongelaufen ist und sich die Zuschauerquoten des ebenfalls die Tour übertragenden Senders Eurosport verdreifacht haben.
Die öffentlich–rechtlichen Bedenkenträger verfolgen dabei weiter den eingeschlagenen Heuchelkurs der Saubermänner. Kann es sein, dass sie selbst nicht erkennen, welchen verlogenen Weg sie damit gehen?
Wenn der Radsport vom Bildschirm verschwindet, verschwinden die Sponsoren aus dem Radsport und mit ihnen auch die Mittel, den Kampf gegen das Doping zu finanzieren. Die betroffenen Sportler könnten ihren Beruf verlieren und geraten unter genau den Druck, unter dem Doping auf fruchtbaren Boden fallen kann.
Der Beschluss der ARD und der Kollegen des ZDF mit Frau Otto als geeigneter Galionsfigur im Anti-Doping-Kampf ist einfach nur absurd. Konsequenterweise sollten sie gleich alle Berichterstattung einstellen, denn in der Wirtschaft werden die Aktienkurse manipuliert, in der Politik werden die Politiker bestochen, in der Kultur gibt es mindestens so viele Rauschgiftkonsumenten wie im Sport des Dopings Verdächtige.
Bestes Zeichen für konsequente Betroffenheit wäre, den Sendebetrieb ganz einzustellen und die vereinnahmten Gebühren einem Fonds zur Verfügung zu stellen – ausgenommen den Mitteln, die sie für eine tägliche Brennpunkt-Sendung brauchen, in der sie berichten, dass sie nicht berichten. Und vielleicht noch die Kosten für eine Blutprobe der an dieser Entscheidung Beteiligten.

Manfred Fendrich Main Echo, 19.07.07

Advertisements