Am Freitag ins Auto um meinem Arbeitskollegen den Werkstattschlüssel vorbeizubringen, bei Einsteigen ein kurzen knacken im Halswirbel. Mist, es fängt sofort an weh zu tun. Abends kann ich den Kopf nicht mehr drehen. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf ging es Samstag früh zum Doktor. 4 Spritzen in den Rücken. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr nach Karlsruhe fahren. Als es gegen Mittag aber besser wird mach ich mich doch auf den Weg, wenigstens zum Zuschauen. Abends ist es dann so gut wie weg, heute Morgen fast nichts zu spüren und als ich am Start stehe bin ich beschwerdefrei.
Wäre auch wirklich schade gewesen, nach dieser perfekten Vorbereitung.
Am Start geht sofort die Port ab, die Kenianer machen Druck und auch die schnellen Frauen vom Marathon und Halbmarathon legen ordentliche Zeiten vor. Bei ihnen laufe ich anfangs mit, dann wird mir das ganze zu schnell. Bei km 5 liege ich mit 18:11 min genau im Plan.
Bis km 10 laufe ich so langsam wieder an die Gruppe mit den schnellen Frauen heran und gehe kurz danach auch vorbei. Mit 36:14 min bin ich ein bisschen schneller geworden, aber das Tempo macht noch Spaß. Für die nächsten 10 Kilometer brauche ich nur 35:45 min und hole immer wieder Läufer ein, sowohl vom Marathon als auch Halbmarathon. Die Hälfte habe ich nach 1:15:34 Std hinter mich gebracht und fühle mich noch super. Ich nehme zwischendurch immer wieder etwas das Tempo heraus, weil ich Angst vor einem Einbruch habe. Aber durch die Überholmanöver werde ich doch immer wieder schneller. Leider kommen jetzt immer wieder Wege wie im Schönbusch, lose kleine Steinchen, die Kraft und Zeit kosten. Trotz allem kann ich meine Zeiten halten. Bei km 27 rechne ich mir aus, dass wenn ich die letzten 26 Kilometer im 4er Schnitt laufe, es trotzdem noch zu einer 2:37 langt. Das war so mein Mindestziel. Und ich habe nicht vor im 4er Schnitt zu laufen. Ich rechne jetzt als Zeitvertreib jeden Kilometer aus wie weit ich mich von der 2:37 entferne, dann von der 2:36, 2:35… Das Tempo ist immer noch schnell. Beim Kilometer 34 geht’s in den Schlosspark. Hier wird es richtig übel. Grobe Steine, ich hab das Gefühl bei jedem Schritt nach hinten zu rutschen. Mittlerweile hab ich erfahren dass ich auf Platz 7 liege. Vor mir ist aber weit und breit niemand zu sehen. Schade, die ersten 6 dürfen zur Siegerehrung und bekommen eine Prämie. „Super 2. von den Weißen!“ ruft mir einer zu. Ich bin froh als ich bei km 39 endlich wieder aus diesem verfluchten Park raus bin. Dafür geht es jetzt noch über zwei richtig heftige Fußgängerbrücken. Da steht man berghoch fast. Ich bin das je gewohnt, aber die Kenianer haben da scheinbar etwas Probleme. Mir ruft jetzt jemand zu: „Los, den Schwarzen holst du noch!“ Tatsächlich, jetzt seh ich ihn auch. Ganz langsam komm ich näher. Er dreht sich mehrmals um, aber bei km 40 kann ich ihn stellen. Ich geb sofort Gas, vorbei und weg. Ich will ihm nicht die Chance geben sich dranzuhängen. Jetzt will ich zur Siegerehrung! Die letzten 1,5 Kilometer werden zum Slalom. Die Halbmarathonläufer biegen auf dieselbe Strecke ein. Sie sind ja mit uns gestartet und jetzt auch 2:30 unterwegs. Dementsprechend langsam ist ihr Tempo. Mehrmals werde ich angerempelt. Das soll keine Kritik an den Halbmarathonläufern sein. Sie sind jetzt 2,5 Stunden unterwegs, wie sollen die damit rechnen das jetzt plötzlich einer von hinten kommt der fast doppelt so schnell ist. Hier müsste sich der Veranstalter was einfallen lassen. Immerhin verliert der Kenianer mich so aus den Augen. Mein Zieleinlauf nach 2:31:55 (Schnitt 3:37 min/km) geht leider völlig unter, da zeitgleich mindestens 20Halbmarathonis einlaufen und mich weder Zuschauer noch Sprecher sehen.
Aber glücklich bin ich trotzdem, ich kann’s gar nicht fassen. Niemals hätte ich mit dieser Zeit gerechnet.
Nach der ersten Verpflegung und duschen warte ich auf die Siegerehrung. Platz 1 bis 3 (Siegzeit 1:14Std) Kenianer, dann Marco Diehl mit einer 2:28, wieder ein Kenianer, dann ich. Ist schon ein schönes Gefühl.
Als ich nach der Siegerehrung wieder die Treppe runtergehe wird mir plötzlich schwarz vor Augen, und ich kippe langsam um. Zum Glück sind sofort Helfer da, die mich auffangen und die Sanitäter rufen. Danach liege ich fast eine Stunde auf der Bahre, bekomme Blutdruck und Puls gemessen (Alles o.k). Nur der Blutzuckerspiegel ist zu niedrig. Mit Apfelschorle päppeln sie mich wieder auf und bis zur Altersklassenehrung bin ich wieder fit. Für den 2. Platz bekomme ich ein Designer Handtuch, 6 Gläser mit dem Marathonmotiv und einen Freistart für 2008. Das alles durfte ich dann noch 2,5 Kilometer zum Auto tragen, dann ging’s nach hause.

Danke an Alle die mir die Daumen gedrückt haben,
Danke an Alle die mir schon gratuliert haben,
Danke an meine 2 schnellen Trainingspartner Ingbert und Helmut, die mich immer wieder zu neuen Trainingsbestzeiten getrieben haben.
Danke an das Team von MainAusdauershop für die gute Beratung und Unterstützung
Danke an Peter für den perfekten Plan
Danke an die netten Leute vom Roten Kreuz

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