Freitag mittag ging es ab, Richtung Thüringen. Simone und ich waren, wie noch 4 andere Staffelläufer des Town&Country Laufteams, in Bad Lobenstein im Shilton Hotel untergebracht. Später kamen dann noch Mario Leimbachs Schwiegervater, der am nächsten Tag mit dem Bus als Betreuer unterwegs war mit Bennie unserem MTB-Begleiter. Beim Italiener lernten wir uns ein bisschen kennen, da wir doch aus halb Deutschland zusammengewürfelt waren, und besprachen die Logistik für den nächsten Tag. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus. Vom Start um 6.00 Uhr bis abends zum Zieleinlauf würden über 10 Stunden vergehen und jeder der 10 Läufer musste pünktlich an der Wechselstelle bereit stehen, bei einer 171km langen Strecke nicht einfach.

Nach einer recht kurzen, aber erholsamen Nacht klingelte um 4.00 Uhr der Wecker, 4.30 Uhr nach einem kurzen Frühstück wurde ich zum Start nach Blankenstein gefahren. Wir schauten uns noch den Start der Frauen und Mixed Teams an, die schon um 5.00 Uhr los mussten und liefen den ersten Kilometer mal ab. Punkt Sechs wurden auch wir auf die Reise geschickt. Keine Chanche sich einzurollen, direkt im hohen Tempo den Berg hinauf. Schnell bildete sich eine 3er Gruppe, die die ersten Kilometer zusammen bestritt. Michael Müller vom EON Team verschärfte immer wieder das Tempo, aber ich konnte dranbleiben. Irgendwann waren wir dann nur noch zu zweit. Leider hatte ich eine Strecke mit relativ viel Asphalt. Immer wenn es ins Gelände ging, konnte ich mich etwas absetzen, sobald wieder Asphalt kam, schoss Müller von hinten heran und versuchte mich abzuhängen, was ihm bei km 9 dann auch gelang. Auf einem Trail, etwa Kilometer 13, war ich dann wieder dran und versuchte sofort eine Lücke zu reissen. Leider ging es da wieder auf die Straße und ich hatte wieder das Nachsehen. Bis zum Wechselpunkt nach 17,2 Kilometern (1:00:11Std) hatte ich dann 27 Sekunden verloren und konnte mit 30sec vor Platz 3 übergeben. Ich übergab das Armband mit dem Chip und dem Stein aus der Selbitz an Torsten Mattes. Simone hatte ihn an den Wechselpunkt gebracht und wir konnte so zurück ins Hotel, duschen und noch was Essen. Dann machten wir uns auf den Weg, unser Begleitfahrzeug wieder einzuholen, was uns dann auf der 5. Etappe gelang. In der Zwischenzeit hatte Torsten seine 20,1 Kilometer in starken 1:06:53 gelaufen, was die 2. schnellste Zeit auf diesem Abschnitt bedeutete aber trotzdem auf die Spitze weitere 30 Sekunden verloren, dafür aber „Günters Mannern ohne Waffen“, unsere härtesten Verfolger fast 3 Minuten aufgebrummt. Günters Männer bestand aus dem Deutschen Biathlon und Langlaufkader. Unter anderem waren dort Jens Filbirch am Start und der Junioren Weltmeister Phillip Marschal. Unser dritter Läufer, Uwe Emmerling, konnt wegen einer Verletzung leider nicht seine volle Leistung abrufen, erzielte trotzdem die viertbeste Zeit für Abschnitt 3. Wir rutschten einen Platz ab, waren aber ganz dicht dran. Ken Fessel drehte dann auf dem vierten Teilabschnitt wieder den Spieß um und beendete die 18,7 Kilometer nach 1:03:09 Std mit der 2. Schnellsten Zeit dieses Abschnitts. Die EON Staffel lief auf den ersten 6 Etappen Bestzeit, konnte ihren Vorsprung so auf teilweise 10 Minuten ausbauen. Unser 5. Mann, Tobias Brack, bot eine sensationelle Leistung. Der Bergspezialist, der schon mehrere Topplatzierungen bei Bergmarathons vorzuweisen hat und auch schon den Transalpine-Run auf Platz 2 beendete, verpasste die Bestzeit nur um 1 Minute, obwohl er sich knapp 1,5 Kilometer verlief. Eine wirklich ärgerliche Panne, die aber auf dieser Strecke leicht passieren kann. Eine offizielle Absperrung gibt es nur sehr selten, meist muss man sich am „R“ für „Rennsteig“ orientieren, das den Wanderweg ausschildert. Wenn man dann im vollen Tempo im Wettlkampf läuft, ist so eine Makierung schnell übersehen. Trotz allem hielten wir nach knapp 90 Kilometern wieder Platz 2. Ab hier konnte ich dann das Rennen immer wieder live verfolgen und es wurde immer spannender. Hier lernte ich auch unseren Sponsor, Herrn Jürgen Dawo von Town und Country Haus kennen. Er war das gesamte Rennen hochmotiviert dabei, stoppte Zeiten, feuerte an, motivierte….und war wohl am Ende auch zufrieden mit uns. Einmal fuhr ein Dacia auf einen Parkplatz. Da meinte er: „Kein schlechtes Auto. So eins werde ich jetzt auch fahren, von dem Geld das ich dadurch spare, kann ich mir nächstes Jahr eine bessere Staffel leisten!“ Da waren wir gerade auf Platz 3 zurückgefallen. 😉

Etappe Nummer 6 von Allzunah zum Grenzadler übernahm Benjamin Sperl. Mit den Kopfhörern im Ohr machte er sich auf die knapp 20 Kilometer und hatte wohl die meisten Höhenmeter zu überwinden. Eigentlich wäre das meine Etappe gewesen, aber wir hatten getauscht, da Benjamin morgens nicht rechtzeitig zum Start hätte da sein können. Obwohl auch er in 1:14:21 Std eine starke Zeit lief, musste er Phillip Marschall von Günters Männern wieder passieren lassen. Danach gab Mario sein Bestes und gegen einen Jens Filbrich 3 Minuten zu verlieren ist ganz bestimmt keine Schande. Die Viertbeste Zeit im Gesamten Feld für diesen Streckenabschnitt sicherte uns gut nach hinten ab. Wir hofften immer noch dass die beiden schnellsten Staffeln auch mal eine kleine Schwäche zeigen würden. An der Neuen Ausspanne übernahm dann Ronny Potschak für die nächsten 14 Kilometer.  Und es kam wieder Hoffnung auf. Eine Minute auf die Erfurter EON Staffel und 2 Minuten auf Günters Männer konnte er rauslaufen. Nochmals fast 20 Kilometer hatte danach Jens Bormann vor sich. Der ehemalige Deutsche Crossmeister musste praktisch aus dem Stand erstmal den Inselsberg erklimmen um sich danach Richtung Hohe Sonne zum letzten Wechsel nach unten zu stürzen. Er konnte zwar mit seiner Zeit von 1:12:44 Std den Rückstand auf die Ersten wieder auf rund 10 Minuten verkürzen, aber der Rücktand auf die Zweiten vergrößerte sich wieder auf 3:30 min. Nach hinten hatten wir auf die mir bestens bekannten Läufer der TSV Ostheim/Rhön mittlerweile 13 Minuten Vorsprung, der Podestplatz war also gesichert. Die letzten 14,7 Kilometer und die 200hm runter zum tiefsten Punkt des Rennens in Hörschel übernahm unser Jüngster, Samuel Diedering. In einem abartigen Tempo, berichtete unser Mountainbiker, stürzte er sich nach unten und sicherte uns so unser Ziel: Neuer Streckenrekord! Naja, zumindest besser als der alte Streckenrekord! 10:19:26 Std was einem Kilometerschnitt von 3:37 entpricht und das bei ordentlich Höhenmetern und pro Kilometer gerade mal 3 Sekunden langsamer war als die Siegermannschaft der EON Staffel.

Danach wurde noch ein bisschen gefeiert und bei der Siegerehrung konnten alle mit ihrer Leistung zufrieden sein.

Jungs, es hat wirklich Spaß gemacht mit euch! Ich hoffe ich darf nächstes Jahr wieder dabei sein!

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