Als ich irgendwann im Frühjahr von Pauls Idee hörte, einen Trail Run von Miltenberg bis nach Sulzbach zu machen, war ich sofort begeistert: Da mach ich mit! In den letzten Tagen wurde dann die Aufregung doch recht groß, irgendwie wurde mir erst recht spät klar, auf was ich mich eingelassen hatte: 73km, 1800hm, wenig Asphalt, viele Trails, Treppen, Anstiege mit 20%. Im MainEcho war ich schon als Favorit angekündigt, für viele war nur noch die Frage, mit wie viel Vorsprung ich gewinnen würde und wie viele Staffeln vor mir ins Ziel kommen würden. Ich war da nicht so siegessicher, die Form passte schon, aber was wenn es mir wieder so geht wie in der Schweiz? Und von der Konkurrenz kannte ich so gut wie niemanden. Egal, um 07.15 Uhr stand ich mit gut 70 Einzelläufer/innen am Start, die Staffeln waren 15 min nach uns dran. Eine kleine Runde durch Miltenberg hinter dem Polizeiauto, im „Schnatterloch“ wurde das Rennen freigegeben und es ging gleich zur Sache: 100hm, Treppen, Trails, so hatte ich mir das vorgestellt. Ich hatte für das Rennen nur eine Taktik: Nicht zu früh alleine vorne weglaufen, egal was die anderen machen. Am letzten Berg bei km 63, das wäre doch ein guter Punkt für einen Angriff, vorausgesetzt ich bin zu diesem Zeitpunkt noch vorne dabei. Ich ging den ersten Berg sehr locker hoch, machte an den Treppen langsam und war trotzdem vorne. Nach den ersten Trails hatte ich schon eine kleine Lücke und lief dann einfach weiter. Super, Rennen noch keine 2 Kilometer alt und schon die einzige Taktik die man hat dahin. Ich musste mein eigenes Tempo finden, bremste mich am Berg und versuchte bergab keine Blasen zu riskieren und die Knochen zu schonen. Irgendwann kam Erich dazu. Er sollte mich auf dem MTB ins Ziel begleiten. Die erste Etappe nach Kleinheubach war sehr schnell um, 10,5 Kilometer und gut 300 hm waren geschafft. Ich wurde super begrüßt, die Staffeln warteten auf ihre Läufer, „normale“ Zuschauer waren auch da und Günther am Mikrofon. Ich nahm mir viel Zeit beim Trinken, hab auch schon mal was gegessen. Sehr entspannt bis jetzt. Auf gehts nach Collenberg, mit 17km und 426hm wieder recht anspruchsvoll. Auf dem Trail zur Schutzhütte war zum ersten Gehen angesagt, so rutschig und steil war es hier. Auch Erich wurde hier vom MTB-Fahrer zum MTB-Schieber. Nach 23 Kilometern kam dann die erste Staffel in Person von Timo. Auf seine Frage wie es mir geht, sagte ich: „Gut, nur noch 50km“. Bis zum nächsten Wechsel (naja, ich hatte ja niemanden zum Wechseln) ging es flach am Main und Edgar kam mir entgegen, er wartete auf seine Staffel. Wir liefen ein bisschen zusammen weiter und er verabschiedete sich mit den Worten: „Wir werden uns dann wahrscheinlich nochmal sehen.“ Stimmte auch, aber nicht mehr auf der 3. Etappe, da konnte ich meinen Vorsprung noch verteidigen. Wie in allen Wechselzonen und Verpflegungsstationen war auch hier die Stimmung super. Die Königsetappe nach Klingenberg mit 18 km und 489 Höhenmetern begann mit einem endlosen Anstieg und einem anschließenden heftigen Bergabstück. Aber auch der Rest auf Trails und Waldwegen hatte es in sich, technisch, rutschig immer höchste Konzentration gefragt. Nur das letzte Stück leicht abfallend durch die Weinberge zur Clingenburg konnte man etwas zur Erholung nutzen. Weit mehr als die Hälfte geschafft, die schlimmsten Berge hinter mir ging es noch richtig gut. Die 4. Etappe nach Elsenfeld sollte mit 12 km und 250hm die leichteste sein. Die Mechenharder Treppen nutzte ich für eine Gehpause. Über den „Armesünder Weg“ zum Klingenberger Galgen, merkte ich dann die Kräfte schon deutlich schwinden. Mein Magen hatte keine Lust mehr auf GelChips und saure Äpfel. Außerdem musste ich mal. An der nächsten Verpflegung schnappte ich mir einen Stapel Servietten  und einen Bouillon. Keine 100m später musste ich würgen, mein Magen verkrampfte total. Dann kam der Bouillon samt Äpfel, Bananen usw. wieder raus. Jetzt ging es mir wieder super, die nächsten 3 Kilometer gingen wieder locker, nur zu essen brachte ich nichts mehr runter. Dann merkte ich wieder den Verschleiß. Das Knie tat einen Kilometer heftig weh, der Schmerz ging wieder so plötzlich wie er kam. Der Magen meckerte. Die Oberschenkel und Waden hatten schon lange genug. Jeden Anstieg nutzte ich für eine Gehpause. Ich hatte keine Lust mehr. Ich begann zu rechnen ob es noch unter 6 Stunden langt. Wenn ich 5er Schnitt laufe, passte es genau. Ok, ich versuchs. Dann wieder Gehpause. Und wenn ich mit 6:00:01  Std ins Ziel komme, auch egal, Hauptsache Ziel. Edgar kommt mit Mario entgegen, sie warten auf Peter, wollen zusammen ins Ziel. Ein Stück begleiten sie mich. Auch meine Fahrradbegleitung hat sich mittlerweile verdoppelt. „Jetzt gehts nur noch runter.“ „Ah, den kleinen Anstieg hatte ich vergessen.“ „So, das ist jetzt aber wirklich der letzte Anstieg.“ Später kam dann noch der allerletzte Anstieg. Verglichen mit den ersten 3 Etappen wirklich lächerlich, aber wenn man platt ist fühlt sich auch der Sulzbacher Wald an wie die Eiger Nordwand. Peter war mittlerweile vorbei und Edgar und Mario mit ihm entschwunden. Dann eine schöne Überraschung: Meine Eltern stehen mitten im Wald. Ich bleibe kurz stehen, kurzes Foto. „Lauf weiter, Ida und Simone warten schon im Ziel.“ Noch gut ein Kilometer. Dann am Waldrand endlich Simone mit dem Kinderwagen. Sie joggt locker bergab Richtung Ziel, ich denke ich hol sie nie ein. Dann endlich die Sulzbacher Halle. Ich bekomme den Kinderwagen in die Hand gedrückt und biege auf den roten Teppich ein. Die Begrüßung von Günther und den Zuschauern ist sensationell. Wahnsinn! 6:02:28 Std unterwegs gewesen (Schnitt 4:55min/km), viel Spaß gehabt, tolle Strecke erlebt, viel moralische Unterstützung unterwegs bekommen, die letzten 20 km gelitten, die letzten 10 Kilometer verflucht. Aber geschafft. Gut eine halbe Stunde vor Uli Amborn, dem Zweiten. 5 Staffeln waren vor mir im Ziel, wenn man die Nettozeit rechnet (die sind ja später gestartet) haben von den 60 Staffeln nur 9 eine schnellere Zeit.

Auf jeden Fall ein Lob an Marco und Paul, super Veranstaltung, super Orga, tolle Strecke. Danke an die vielen netten Helfer! Heute tut mir alles weh, aber mein letzter Ultra war es wohl nicht.

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