Am Sonntag morgen, nach einer ruhigen Nacht in Bottrop, kam Edgar vorbei um mich abzuholen. Wir machten uns rechtzeitig auf den Weg, denn wir wollten beide unsere Eigenverpflegung noch abgeben. Aber es war gar nicht so einfach den Start im Bergwerk Prosper Haniel zu finden. Die in der Ausschreibung angegeben Straße endete im Off. Über einige Umwege schafften wir es dann doch um Punkt 8:00 Uhr mit unsere Flaschen bei der Abgabe zu sein. Das war schon mal mehr Aufregung als geplant, aber sollte später noch besser kommen.

Um 9:00 Uhr ging es dann los. Vorne weg Peter Seifert (LSV Lok Arnstadt) der den Deutschen Rekord brechen wollte und Thomas Dehaut (LLG Landstuhl), Vorjahresmeister und mein Konkurrent im Kampf um den 50 km-DUV-Cup. Das Tempo war mir viel zu schnell, ich hielt mich zurück und versuchte mich bei 3:45min/km einzupendeln. Die Strecke war wirklich schön, alles im Wald, teilweise asphaltiert, aber größtenteils befestigte Waldwege. Durch das rutschige Laub und andauernde leichte Wellen war die Strecke nicht unbedingt die schnellste, trotzdem konnte ich den geplanten Schnitt problemlos halten. Nach ca. 6km hatte ich Thomas wieder eingeholt. Zusammen liefen wir ein paar Kilometer, aber mir war das Tempo zu ungleichmäßig, so beschloss ich nach 11km mein eigenes Tempo zu gehen und setzte mich etwas ab. Die letzten 3 Kilometer der ersten Runde wurde es nochmal hektisch. Die 10km Läufer kamen entgegen und ich musste mitten durch einen Pulk quer über eine Kreuzung. Zum Glück haben alle aufgepasst und die gefährliche Situation ging gut aus. Als ich nach 25 Kilometern erstmals durch den Zielbogen lief hatte ich nach vorne schon 6 Minuten Abstand und nach hinten genau 1 Minute. 1:33:13 zeigte die Uhr, Schnitt 3:42min/km also im Bereich meiner Planungen. Hier stehen auch Simone und Ida und feuern mich ordentlich an. Nach 27 Kilometern wurde es dann wieder eng. Die 10er kamen zurück. Die meisten nahmen viel Rücksicht und liefen, wie es sich gehört, rechts. Auch ich war ganz am rechten Wegrand unterwegs als in einer Rechtskurve ein Läufer direkt auf mich zu kam. Erst machte er einen Schritt zur Seite, dann sprang er mich direkt an. Mit beiden Händen schnappt er mich und drückt mich auf die Seite. Mir kam das wie Absicht vor, keine Ahnung was das für eine Aktion gewesen ist. Nach dem ersten Schreck suchte ich wieder mein Tempo und versuchte den Puls wieder etwas nach unten zu bekommen. Kurz danach der nächste Schreck: Beim Blick dorthin wo eigentlich meine Uhr sein sollte, nur noch mein Armband. Die muss beim Zusammenstoß weg geflogen sein. Für jemanden wie mich, der sonst keinen Schritt ohne seinen geliebten Garmin macht natürlich doppelt hart. Bei Kilometer 30 frage ich meine Radbegleitung nach der genauen Zeit, worauf er mir seinen Polar überlässt. Jetzt kann ich wenigstens wieder ungefähr meine Kilometerzeiten kontrollieren. Und die sind bis km 34 im noch im Soll, dann kommt meine erste Schwächephase. Dank Tee an der nächsten Verpflegung und einem weiteren Gelchip gehts dann aber wieder besser weiter. Bei Kilometer 40 wirds dann aber doch wirklich hart. Die Zeiten werden immer langsamer, mein Tempo kommt mir unterirdisch langsam vor. Meine genaue Marathondurchganszeit hab ich leider nicht, aber es muss wohl noch eine niedrige 2:39 gewesen sein. Also eigentlich immer noch im Plan. Die letzten 8 Kilometer sind dann nur noch Kampf und Krampf. Wenn da eine Gruppe gekommen wäre und hätte mich überholt, wäre ich sicher ausgestiegen. Aber wenn man bei der DM auf Platz 2 liegt und von hinten noch niemand zu sehen ist, dann bekommt man die letzten Kilometer auch noch rum. Die letzten 1000m sind sogar nochmal recht schnell. Nach 3:13:02 Std ist es geschafft, eigentlich hatte ich mir eine bessere Zeit erhofft, aber wie sagt der Trainer: „Bestzeit ist Bestzeit!“ Und bei einer DM zählt sowieso die Platzierung viel mehr. Und so ist mein Traum vom Podestplatz wahr geworden. Der Titelverteidiger Thomas Dehaut kommt 40 sec. nach mir ins Ziel und gegen den neuen Deutschen Meister hatte ich nicht den Hauch einer Chance.

Edgar liefert ein ganz starkes Rennen ab, läuft bei seinem ersten 50er eine 3:28 und wird Deutscher Meister in der M50. Auch die anderen Starter vom Untermain sind erfolgreich: Ines Wunderlich vom LUT wird Meisterin in der W35, Deborah Deckert vom TV Schweinheim Vizemeisterin in der W50.

Advertisements