Nach 2 Monaten Elternzeit musst ich letzten Dienstag wieder ran. Wieder eine große Umstellung für Ida und auch für mich. Abend wird es jetzt immer sehr spät, dafür hab ich Montag – Mittwoch vormittags frei. Sportlich war es eine recht ruhige Woche. Relativ wenig Kilometer und alles sehr ruhig, denn am Pfingstmontag stand ja der 1. Hessentagsmarathon in Oberursel an. Die Vorbereitung war ideal: Am Sonntag abend quer über das ganze Hessentagsgelände geirrt und die Startnummerausgabe gesucht, dann ein geniales Roxette Konzert bis spät abends, danach ins Auto gelegt und geschlafen. Um 2.30 Uhr wurde ich dann noch mal von ein paar Betrunkenen geweckt, die laut gröhlend herumzogen.

Am Start traf ich auf einen Jubilar: Marco Diehl lief heute seinen 100. Marathon. Dieses Jubiläum wollte ich ihm natürlich nur ungern verderben. 😉 Aber mein Plan war eh, erst mal abzuwarten wie schnell das Rennen werden würde und nur in das Geschehen um den Gesamtsieg einzugreifen wenn das mit der UltraTrail WM in 4 Wochen vereinbar wäre. Marco machte am Anfang ordentlich Tempo, ich lief auf Platz 2 mein Tempo und schnell war eine Lücke da. Nach einer Schleife durch Oberursel kam dann die ersten der über 500 Höhenmeter. Der größte Teil der Strecke verlief jetzt auf fein geschotterten Wegen und auf Waldboden. Flach war es jetzt praktisch nie mehr, aber heftige Anstiege gab es auch nicht, immer schön eine Welle nach der anderen. Sozusagen genau mein Gelände. Stück für Stück kam ich wieder an Marco heran. Nach knapp 20 Minuten gingen wir bei Kilometer fünf durch und bis jetzt fühlte sich alles nach Trainingslauf an. An einem Wendepunktstück konnte ich dann René Strosny auf Platz 3 sehen, er fährt auch mit nach Irland. Marco versuchte immer mal wieder ein Gespräch anzufangen, ich hielt meine Antworten immer recht knapp. War  nicht böse gemeint von mir, aber während dem Laufen rede ich einfach nicht gerne. So ging es im Gleichschritt nebeneinander her. Ich glaube bei Kilometer 12 war dann an einem kleinen Anstieg erstmals eine kleine Lücke. Marco kam wieder zurück und ich war mir nicht sicher ob das nur Taktik war. Denn bisher hatte er einen sehr lockeren Eindruck gemacht. Aber etwas später gab es wieder diese Lücke und Stück für Stück baute ich den Vorsprung aus, ohne das Tempo zu erhöhen. Nach 22km war ich wieder in Oberursel. In einem Kreisel gab es eine Wende und von da an lief ich ins Halbmarathonfeld hinein, der 6. ging gerade durch als ich kam. Auf Marco hatte ich an dieser Stelle ca. 40 Sekunden. Den langen Anstieg wieder in den Wald hinein nahm ich etwas Tempo raus, konnte trotzdem bis an den Dritten des Halbmarathons heranlaufen. Der hatte dann ein gutes Tempo und ich hing ein paar Kilometer an seinen Fersen. Wirklich schade dass ich nach 27 Kilometern wieder rechts in die Schleife musste. Dafür konnte ich hier mal wieder den Abstand zu meinen Verfolgern kontrollieren.Gut eine Minute lag ich jetzt vorne. Am Ende der Schleife lag ich dann wohl so bei Platz 40 HM, was besser war als einsam vorne zu laufen. Als es dann bei Kilometer 32 wieder aus Oberstedten heraus ging  und die letzten 10 Kilometer anbrachen rechnete ich erstmals was für eine Endzeit herauskommen könnte. Etwas über 2:40Std. Wahnsinn, wie locker sich das heute anfühlte. Einerseits hätte ich jetzt natürlich gerne die 2:39Std, andererseits war mir klar, dass es darauf heute nicht ankam. Außerdem ging es jetzt die nächsten 6 Kilometer hauptsächlich leicht bergan und die Kilometersplits pendelten sich knapp unter 4min ein. Also hatte ich die Zeit schon aus den Augen verloren. Die letzten 3 Kilometer ging es jedoch bergab und ohne es zu merken holte ich doch mehr als genug Zeit heraus. Am Ende stand eine 2:39:27 Std.

Der Lohn für diesen Sieg kann sich auch sehen lassen: Abgesehen davon, dass die Siegerehrung auf einer großen Hessentagsbühne stattfand und ich Joey Kelly kennenlernte (echt ein netter Kerl!) gab es auch noch einen super Preis. Einen Freistart beim Antalya Marathon, mit Flug und 3 Übernachtungen im 5*Hotel. Das hat sich wirklich gelohnt.

Advertisements