Wo soll ich anfangen mit dem Schreiben? Es waren 4 Tage mit so vielen Eindrücken. Den Donnerstag verbrachten wir noch größtenteils im Flugzeug und im Auto. Jetzt lernte ich auch Stefan, Markus und Sascha persönlich kennen. Am Freitag wurden Verpflegungspunkte erkundet, wir schauten uns einen kleinen Teil der Strecke an (den einfachsten, wie sich später herausstellte.) und joggten noch eine gemütliche Runde.  Am Abend gab es dann den ersten offiziellen Teil: Die Eröffnungsfeier und die Pasta Party. Alle Nationen in ihren Nationaltrikots, Fernsehkameras, Radiointerviews. Das sind Erfahrungen die man als Hobbyläufer nicht oft geboten bekommt. Zurück in der Unterkunft hatten wir dann unsere letzte Besprechung: Wer braucht wann welche Verpflegung, mit Trinkrucksack oder ohne? Regenjacke mitnehmen? Dann ging es ins Bett, immerhin gab es um 5:00 Uhr Frühstück. 40 Minuten später fuhren wir los Richtung Kylemore Abbey, dem Startpunkt.

Um 7:00 Uhr ging es dann endlich los. Die ersten 5 Kilometer flach, vorne ist das Tempo gleich wahnsinnig hoch. Da ja GPS Uhren verboten sind, bin ich auf mein Gefühl angewiesen und lasse es locker angehen. „Bei km 50 fängt das Rennen an!“, so war die Taktik von unserer Teamleitung vorgegeben. Nach 18:50 min kommt das 5km Schild. Direkt danach geht es zum ersten Mal auf den Diamond Hill. 300hm auf 3 Kilometern. Überholen kann man hier schlecht, aber da kann ich schon nicht überziehen. Bergab lässt es sich ganz gut laufen, aber ich sehe schon die ersten Stürze. Unten angekommen geht es in die Verpflegungszone. Hier bekomme ich meinen Trinkrucksack, dann gehts direkt wieder hoch. Dieser Berg gefällt mir, so kann es weiter gehen. Nach der zweiten Runde haben wir 18 Kilometer und jetzt kommt der erste richtige Trail. Leicht bergab über eine Wiese mit Matsch und Wasser. Nach knapp 70 Kilometern müssen wir da wieder hoch, aber bis jetzt habe ich Spaß. Sascha, Marcus und ich sind hier fast zeitgleich. Nach einiger Zeit gehts wieder auf befestigten Wegen, dann plötzlich über die Leitplanke, über einen Zaun und ab in den Matsch. Es ist rutschig und sehr tief. Die Wiese steht komplett unter Wasser, über mehrere Gräben muss ich springen. Hier zieht es mir auch gleich ein paar mal die Beine weg. Einmal versinke ich auch komplett im Sumpf. Nach ein paar Kilometern Schotterweg bin ich bei Wolfgang und VP2. Die Verpflegung mit Gels, Gelchips, Trinkflasche und Traubenzucker im Vorbeirennen klappt perfekt. Momentan hab ich die anderen etwas abgehängt und laufe mein Tempo. Der Schnitt ist auf 5:10min/km gesunken. Im Vorfeld waren wir uns einig, dass wir wohl so 5,5 – 6 Stunden unterwegs sein würden. Naja, mal sehen wie ich den großen Berg hochkomme und ob noch mehr Moore zu durchqueren sind. Jetzt kommt der längste befestigte Abschnitt. ungefähr 3 Kilometer immer leicht bergan. Dann steht ein Soldat da und schickt uns quer in die Landschaft. Ein Weg oder Pfad ist nirgends zu sehen, nur ein paar Fähnchen, die den Weg zeigen. Also renne ich von Fahne zu Fahne und versinke bald wieder bis zu den Knöcheln im Matsch. Einerseits bin ich froh, als ich höher hinauskomme, da der Boden fester wird, andererseits wird es dadurch nicht leichter. Von „TrailRUNNING“ kann ich schon lange nicht mehr sprechen, mal gehe ich, mal klettere ich. Teilweise bin ich auf allen Vieren unterwegs. 700 m ist der Gipfel gerade mal hoch. Klingt irgendwie nach Spessart, sieht aber aus wie Alpen. „Schaut euch den Berg auf dem Hinweg gut an, damit ihr auf dem Rückweg wisst, wo ihr angreifen könnt.“ Bisher habe ich nichts gefunden wo ich angreifen könnte, wenn ich mich bergab nicht überschlage und abstürze bin ich froh. Oben hat Marcus wieder aufgeschlossen, er hat aber etwas Probleme mit Krämpfen. Meine Waden zucken teilweise auch recht heftig, ein Problem, dass ich sonst gar nicht kenne. Auch in diese Richtung geht es direkt nach unten. Wenn man es laufen lässt, wird man so schnell, dass man stürzt. Ich bin nur damit beschäftigt, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Meistens klappt es, manchmal nicht. 5-6 Stürze, dann bin ich unten. Mittlerweile steht auch das Knie auf. Bei Kilometer 40 erreiche ich nach 3:52 Std die 3. Verpflegung. Stefan und Angela nehmen meinen Rucksack entgegen und geben mir eine Flasche und Gels. Über Feld- und Wiesentrails geht es jetzt leicht wellig bis zum Wendepunkt bei 44. Ich lasse es betont locker angehen und nutzte diesen einfachen Abschnitt zum erholen, ich weiß ja jetzt was mir noch bevorsteht. Hier kann man auch sehen wer vor und hinter einem ist. Jede menge Franzosen und Italiener kommen mir entgegen. Ich habe etwa 7 Minuten Rückstand und liege auf Platz 14. Perfekt! Marcus ist knapp hinter mir. Als Dritter kommt René. Sascha hat einige Probleme und schon ziemlich Rückstand. Bei Kilometer 48 bekomme ich meinen gefüllten Rucksack wieder und meine nur: „Ich darf nicht an diesen Berg denken!“ Aber es hilft nichts, ich muss wieder hoch. Einige Plätze verliere ich. Ich quäle mich noch oben und stürze nach unten. Mehrmals rutsche ich auf dem Hintern nach unten. Dann kommt wieder der Sumpf. Zweimal springe ich mitten in einen Bach hinein. Auf dem Hinweg hab ich es noch drüber geschafft, aber die Kraft hat doch schon ganz schön nachgelassen. Aber es fühlt sich gar nicht so schlecht an, als ich bis zum Bauch im Wasser stehe. Nur rauskommen ist schwierig. Ich freue mich auf die letzte Verpflegung bei km 60. Endlich komme ich wieder auf den befestigten Weg. Der zieht sich jetzt vielleicht! Für die 10 km vom Fuße des Benbaun, über den Gipfel bis zur Verpflegung brauche ich 1:40 Std. Statt den Rucksack wie geplant für die letzten 10km abzugeben, lasse ich ihn auffüllen. Sicher ist sicher. Ich esse mein letztes Gel, eins mehr wäre nicht schlecht gewesen. Bis ins Ziel brauche ich noch mal über eine Stunde. Ich bin schon ziemlich platt. Durch den Sumpf geht bei mir nicht mehr viel, die 3 Kilometer Schotter kann ich noch mal etwas zulegen, verliere trotzdem 2 Plätze. Ein Holländer überholt mich, darf doch nicht wahr sein! 😉 Zum Schluss noch mal über die Sumpfwiesen, dann geht es endlich ins Ziel. Nach 7:27:11 Stunden hab ich es bei meinem Nationalmannschaftsdebüt auf Platz 22 geschafft. Das war mein heftigster Wettkampf, den ich bisher gemacht habe. Wenn ich gewusst hätte, was genau mich erwartet, wäre ich noch ein bisschen langsamer angegangen. Ich denke Platz 15 wäre nicht unrealistisch gewesen, bei optimaler Renneinteilung. Aber die Strecke haben wir wohl alle ein bisschen unterschätzt.

Aber insgesamt bin ich nicht unzufrieden, es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, hier dabei sein zu dürfen. Wir waren ein tolles Team, der Wettkampf und die Vorbereitung wurde sowohl von den Läufern als auch von den Betreuern sehr ernst genommen (danke für die super Unterstützung!), aber der Spaß kam trotzdem nicht zu kurz. Auch wenn wir die Medaille mit der Mannschaft doch noch recht deutlich verpasst haben, hatten wir uns das Feiern am Abend verdient.

Trailrunning ist ein Sport für den ganzen Körper, zumindest hatte ich am ganzen Körper Muskelkater 😉 In den Beinen, in den Schultern, Armen, Rücken…. Heute habe ich das Schlimmste überstanden, die Lust auf Laufen kommt wieder. Ich denke morgen Mittag werde ich mal schauen ob ich ein paar Trails finde…

Advertisements