Nachdem die Form in den letzten Wochen immer besser wurde, stieg die Vorfreude und die Spannung langsam an. Doch vorher gab es noch eine Woche Urlaub bei meinem Bruder in Lindau. Lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen und ein paar wunderschöne trailige Läufe durch das Hinterland von Lindau waren die letzten Vorbereitungen. 

Am Sonntag stand ich dann nach einer Nacht mit wenig Schlaf (mehrmals bin ich aufgewacht und war davon überzeugt, verschlafen zu haben) also in Miltenberg am Start. Die Stimmung war gut, meine Beine fühlten sich locker an und die Vorfreude war auch da. Es dauerte nur wenige Minuten dann hatte sich die von den meisten erwartete Spitzengruppe zusammengefunden. René Strosny, der Vorjahressieger, Timo Grub bei seinem ersten richtigen Ultra und ich als Sieger 2010 und 2011. Im Flachen war Timo vorne, Bergauf und Bergab gab René Gas und ich hielt mich erst mal zurück. Das Tempo war locker und wir hatten unseren Spaß. Nach 52 min sind war dann gemeinsam durch das erste Etappenziel. Ich hatte schon kurz nach dem Start die ersten Probleme mit meinem Magen drückte mir aber trotzdem gleich das erste Gel rein und versuchte viel zu trinken. So musste ich schon auf der 2. Etappe den ersten kleinen Stop machen. Bei der Verfolgung lief ich mein Tempo weiter und kam Stück für Stück wieder ran. Viel früher als erwartet viel dann Timo zurück. Wegen deutlich schlimmeren Magen-Darm-Problemen sollte es für ihn noch ein sehr langer und harter Lauf  werden. So machten René und ich uns gemeinsam auf zum nächsten Etappenziel. Kurz davor kamen dann die ersten Staffeln von hinten, die 15 Minuten nach uns gestartet waren. 1:20 Std brauchten wir für den 2. Abschnitt. Danach geht es mehrere Kilometer nach oben. Ohne Unterbrechung steigt der Weg an. Ich lief meinen Trott weiter und Stück für Stück kamen ein paar Meter zwischen Rene und mich. Richtig weg kam ich nicht, immer wieder tauchte er knapp hinter mir auf. Es dauerte wohl bis etwa Kilometer 40 bis ich erstmals komplett außer Sichtweite kam. Bis zum nächsten Zeitmesspunkt auf der Clingenburg waren es dann 3 Minuten, was ich während des Laufs natürlich nicht wusste. Einen Schluck Limo, eine Flasche Buffer. Das Gel ging schon nicht mehr. Auch Banane bekam ich nur schwer runter. Am Besten gingen noch Äpfel, aber die Säure machte mir teilweise auch zu schaffen. Ich richtete mich schon mal darauf ein, dass ich es wohl ohne „Großen Boxenstopp“ nicht nach Sulzbach schaffen würde. Aber die Beine waren gut. Das merkte ich hinauf zum Galgen. Bei meinen ersten beiden Teilnahmen wurde es dort langsam schwer und die Quälerei ging los. Diesmal nichts, ich fühlte mich einfach gut. So wurde der 4. Abschnitt auch mein bester. Um nochmal 7 Minuten konnte ich meinen Vorsprung vergrößern. Klar, langsam wurden die Beine schwerer, aber auf flachen Kilometern piepste die Uhr beständig nach 4:30min. Nur noch 11 Kilometer ins Ziel. Verglichen mit meinen anderen Teilnahmen hatten sich die letzten 2 Etappen geändert. Mehr schöne Trails, aber nicht nur ich bin der Meinung: Deutlich schwerer ist es geworden. Über die Wiese hoch meine erste kurze Gehpause. Aber danach konnte ich wieder problemlos anlaufen. Es ging immer noch super, wenn man mal davon absah, dass es mich bergab fast zeriss. Aber aus vollem Tempo anhalten und in die Büsche springe wollte ich nicht. Lieber beim nächsten Anstieg. Aber berghoch hatte ich keine Probleme, also weiter. Da ich nichts über den Abstand wusste, und ich weiss, das René nie einen Einbruch hat traute ich mich auch nicht zu trödeln. Ausserdem konnte ich mir noch Hoffnung auf den Streckenrekord machen. Fast wäre ich dann kurz nach einer Verpflegung beim Versuch ein paar Salzbrezeln runterzuschlucken erstickt 😉 . Nach 66 Kilometern war dann aber nichts mehr zu machen. Genau eine Minute kostete mich die Pause, danach gings mir aber deutlich besser. Nach 70 Kilometern dann noch mal eine ganz fiese Stelle: Heftiger trailiger Anstieg. Das war dann auch nicht mehr joggend zu machen und wurde mit 7:10min auch mein langsamster Kilometer. Hinter mir tauchte dann mal wieder jemand auf, aber mein Radfahrer konnte mich schnell beruhigen, nur eine weitere Staffel, ich denke die 5. oder 6. Ich freute mich jetzt endgültig auf den Zieleinlauf, auch wenn ich immer noch erstaunlich gut drauf war. Den letzten Meter dann traditionell mit dem Kinderwagen und Ida. Simone schaffte es sogar recht lange nebenher zu laufen (letzter km: 3:32min!! steil bergab) bis ich nochmal kurz beschleunigen musste, wegen des Streckenrekords 😉 

5:56:02 Std. 73,9 km  1800 Höhenmeter.

Mein mit Abstand bester Churfrankentrail, trotz der schwereren (und etwas längeren?) Strecke wieder Bestzeit. Das hat richtig Spaß gemacht. 

Einfach ein tolles Event, top organisiert, tolle Strecke und mit viel Stimmung bei den Staffelwechseln und im Ziel. Danke!

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