Es war mein Frühjahrshöhepunkt. Harte Trainingswochen lagen hinter mir und jetzt war es endlich so weit. Bereits am Donnerstag spät abends waren wir in Husum angekommen. Den Freitag nutzen wir dann zum Einkaufen, Startunterlagen holen und einmal die Strecke ablaufen. Fast den ganzen Tag immer nur Regen und Sturm!

Am Samstag früh um 7:00 Uhr war Startschuss. Für mich hieß es da 4:00 Uhr Frühstück. Simone baute dann den Verpflegungstisch auf und ich verschwand noch 3 mal auf dem Dixi…die Aufregung war jetzt doch da. Aber die Beine sind schon locker.

Ziemlich schnell nach dem Start sind wir eine 5er Gruppe. Mit Jörg Hooß und Michael Sommer zwei sehr erfahrene Läufer mit vielen Hundertern in den Beinen und Jan-Hendrik Hans und Adam Zahoran zwei jüngere Läufer, aber auch schon mit ordentlich Ultra-Erfahrung. Auf der ersten der 20 Runden war das Tempo noch etwas unter dem geplanten Schnitt, aber dann wurde es etwas schneller und wir lagen gut im Plan. Vom Start bzw. der Verpflegungszone ging es erstmal am Deich entlang, danach einmal über den Deich drüber, etwa 8Höhenmeter, direkt danach wieder runter bis zum Wendepunkt. Hier gab es nochmals was zu Trinken, danach wieder die selbe Strecke zurück. Vom angekündigten Regen war noch nichts zu sehen, aber der Wind war besonders auf dem Rückweg deutlich spürbar. Nach 3 Runden ließ Jörg dann abreisen und ab da waren wir eine 4er Gruppe. Und die funktioniert sehr gut. Wir wechselten uns schön ab, jeder lief mal im Wind. Auch die Verpflegung klappte gut, Simone hatte immer die passenden Flaschen und Gels bereit stehen. Aber so langsam war meine Blase prall gefüllt und ich musste einen Stopp einlegen. Ich versuchte danach mit einem halbwegs gleichmäßigen Tempo die Gruppe wieder einzuholen, was auch halbwegs klappte. Nach 25 Kilometern hatten wir 1:46:53 Std und lagen damit exakt im Plan für eine Zeit um 7:10 Std.

Stück für Stück wurde der Wind dann stärker auch die Kilometerzeiten schwankten immer mal wieder nach oben und unten, aber im Schnitt passte es immer noch gut. Den Marathon hatten wir knapp unter 3 Stunden und die Halbzeit in 3:33:50 Std, wir waren also sogar etwas schneller geworden. Bei mir fühlten sich die Beine noch recht locker an, bisher war es kaum härter als ein Trainingslauf. Aber ich wusste ja, dass es frühestens bei 70km richtig los geht.

Und tatsächlich, auf der 14. Runde zog Adam das Tempo etwas an. Er hatte auf mich schon die ganze Zeit den lockersten Eindruck gemacht und war recht viel vorne gelaufen. Ich hängte mich rein, Jan war kurz dahinter und Michael lies jetzt abreißen. Nach exakt 5 Stunden waren 70km gelaufen. Der Wind wurde immer heftiger und heftiger.  Bald waren wir wieder ein Trio und Michael jetzt etwa eine Minute hinter uns. Jetzt ist ganz klar zu spüren, dass Adam hier der Stärkste ist. Meist läuft er vorne und das Tempo liegt teilweise bei 4:04min/km. Irgendwann ist das zu schnell für mich und ich muss ihn ziehen lassen. Nach 85 Kilometern habe ich etwa 30sec Rückstand, Jan ist 1 Minute hinter mir und Michael 2,5 Minuten. Die Qualizeit von 7:15 Std ist noch machbar, aber die Beine werden jetzt doch sehr schnell schwer. Alleine im Wind ist es jetzt doppelt hart und bei km 90 bin schon 3 Minuten zurück, meine Oberschenkel sind kurz vor der Explosion und Michael ist schon wieder kurz hinter mir. Jan Hendrik ist mittlerweile raus und ich bin kurz davor. Von Simone und Ida angefeuert und „ordentlich in den A….. getreten“ biege ich dann doch in die nächste Runde ein. Immer noch verdammte 10km! Ich bin total am Ende. Michael überholt mich dann auch recht schnell. Aber ich liege ja immer noch auf Bronze-Kurs. Trotzdem komme ich um Gehpausen nicht herum. Ich versuche mich immer hinten rein zuhängen wenn mich jemand überholt, aber lange geht es nicht. Die Kilometerzeiten liegen bei 6:15 – 7:15min/km. Im Zielbereich noch eine Fanta, dann muss ich noch mal los. Die letzten 5 Kilometer. Immerhin sind sie wieder ein bisschen schneller als die Runde davor. Irgendwie muss ich in den 3. Platz halten. War das ein hartes Rennen. Nach 7:31 Std ist es endlich vorbei.

Hätte mich bei km 90 jemand gefragt wann ich den nächsten 100er Lauf hätte ich unterschrieben, dass ich das sicher nie mehr mache. Aber es kennt ja jeder, die Schmerzen vergehen….. Aber rückwärts die Treppe hoch, ohne Hilfe kaum ins Auto oder raus, das hatte ich vorher noch bei keinem Lauf.

Nachdem wir die Info bekamen, dass erst um 21:00 Uhr die Siegerehrung anfängt, fuhren wir zurück in die Wohnung. Wir waren alle drei recht platt und machten einen schönen Mittagsschlaf. Blöd war, dass als wir gegen 20:45 Uhr wieder vor Ort waren, bereits alles dunkel und fertig war. Ich bekam dann zwar noch auf dem dunklen Parkplatz meine Urkunde in die Hand gedrückt, aber geärgert habe ich mich da natürlich schon. Das sich Siegerehrungen stundenlang verschieben und in die Länge ziehen habe ich schon oft erlebt, aber dass man einfach früher anfängt war auch mal was Neues. Mittlerweile ist das aber mit DUV und DLV geklärt und demnächst sollten dann auch meine Medaillen eintreffen.

Jetzt ist natürlich die Frage, wie ist die weitere Saisonplanung. Ich könnte noch einen Versuch unternehmen um die Quali für die WM im November doch noch zu schaffen. Aber wahrscheinlich werde ich im Herbst statt dessen versuchen meine Marathonbestzeit noch mal anzugreifen.

Die nächsten Wettkämpfe sind aber schon fest: Erst der Garmin Velothon in Berlin und danach die Marathonstaffel in Seligenstadt.

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